Der Schalter wirkt
nur nach vorn.
Sie kopieren eine Kundenmail in den Chat und bitten das Modell um einen Antwortentwurf. In der Mail stehen der Name des Kunden, seine Adresse und vielleicht eine Vertragsnummer. Was der Anbieter danach mit diesem Text macht, regeln seine Einstellungen und die Art Ihres Kontos.
Dabei geht es um zwei verschiedene Dinge. Training heißt, dass der Anbieter Ihre Gespräche verwendet, um künftige Modelle zu verbessern. Speichern heißt, dass das Gespräch eine Zeit lang auf seinen Servern liegt, auch wenn es nie in ein Training geht.
Das Training können Sie bei privaten Konten abschalten, allerdings nur für die Zukunft. Anthropic schreibt für Claude, dass es nach dem Abschalten weder neue noch früher gespeicherte Chats für künftige Trainingsläufe verwendet. In Trainingsläufen, die schon begonnen haben, und in Modellen, die schon fertig trainiert sind, bleiben Ihre Daten aber enthalten. Markieren Anthropics Sicherheitssysteme ein Gespräch, kann es außerdem weiter für interne Sicherheitsmodelle und die Erkennung schädlicher Inhalte verwendet werden. Bei Gemini endet mit dem Schalter auch das Speichern nicht ganz. Google schreibt, dass Chats bei ausgeschalteter Einstellung weiter genutzt werden, um Ihnen zu antworten und um Google, seine Nutzer und die Öffentlichkeit zu schützen, auch mithilfe von Prüfteams.
Wo Sie das Training
abschalten.
Bei privaten Konten entscheiden Sie selbst, ob Ihre Gespräche in das Training einfließen. Der Schalter heißt bei jedem Anbieter anders und steht an einer anderen Stelle.
Claude
Anthropic hat die Wahl am 28. August 2025 für die privaten Tarife eingeführt, also Free, Pro und Max. Neue Nutzer treffen sie bei der Registrierung, bestehende mussten sich bis zum 8. Oktober 2025 entscheiden. Ändern können Sie die Wahl jederzeit unter Einstellungen im Bereich Datenschutz (englisch „Privacy“) am Schalter zur Verbesserung der KI-Modelle.
ChatGPT
In den privaten Tarifen Free, Plus und Pro ist die Freigabe für das Training nach Angaben von OpenAI ab Werk eingeschaltet. Abschalten lässt sie sich unter Einstellungen, Datenkontrollen, Schalter „Das Modell für alle verbessern“. Neue Gespräche verwendet OpenAI danach nicht mehr für das Training, im Chatverlauf bleiben sie trotzdem erhalten.
Gemini
Hier heißt die Einstellung „Aktivitäten speichern“. Ist sie an, nutzt Google Ihre Aktivitäten, um seine Dienste zu verbessern, einschließlich des Trainings generativer KI-Modelle. Ein Teil der Chats wird dabei von geschulten Teams gelesen, darunter externe Dienstleister. Ist sie aus, verwendet Google Ihre künftigen Chats nicht für das Training, sofern Sie kein Feedback geben. Sie finden den Schalter im Aktivitätsverlauf der Gemini-Apps.
Leicht übersehen wird der Daumen unter einer Antwort. Wer bei Claude eine Antwort mit Daumen hoch oder runter bewertet, schickt das ganze zugehörige Gespräch mit. Anthropic bewahrt es bis zu fünf Jahre auf, getrennt von Ihrer Nutzerkennung, und kann es auch für das Training verwenden. Bei Gemini gilt Ähnliches. Geben Sie Feedback, obwohl „Aktivitäten speichern“ aus ist, erhebt Google dazu auch Ihre Chats der letzten 24 Stunden als Kontext. Geschulte Teams prüfen das Feedback, und Google bewahrt es getrennt von Ihrem Konto bis zu drei Jahre auf.
Wie lange Ihre Eingaben
liegen bleiben.
Auch ohne Training bleibt jedes Gespräch eine Zeit lang beim Anbieter. Wie lange, hängt vom Anbieter ab und davon, wie Sie den Schalter gestellt haben. Die folgenden Fristen haben den Stand September 2026.
Bei Claude macht Ihre Entscheidung zum Training einen großen Unterschied. Stimmen Sie zu, kann Anthropic Ihre Daten bis zu fünf Jahre in seinen Trainingsabläufen aufbewahren, ohne direkten Bezug zu Ihrer Person (Anthropic schreibt „de-identified“). Stimmen Sie nicht zu, bleibt es laut der Ankündigung von 2025 bei der bisherigen Speicherfrist von 30 Tagen. Einen gelöschten Chat entfernt Anthropic sofort aus Ihrem Verlauf und innerhalb von 30 Tagen aus seinen Speichersystemen. Markieren die automatischen Prüfsysteme ein Gespräch als Verstoß gegen die Nutzungsrichtlinie, bewahrt Anthropic Ein- und Ausgaben bis zu zwei Jahre auf.
Google löscht Gemini-Aktivitäten von sich aus nach 18 Monaten. Sie können den Zeitraum auf 3 oder 36 Monate ändern oder das automatische Löschen ganz abschalten. Ist „Aktivitäten speichern“ aus, bleiben künftige Chats 72 Stunden im Konto, damit Gemini antworten und Google seine Nutzer schützen kann. Chats, die Prüfer schon gelesen haben, sind vom Konto getrennt. Sie verschwinden nicht, wenn Sie Ihre Aktivitäten löschen, und bleiben bis zu drei Jahre gespeichert.
Für einzelne heikle Gespräche hat jeder der drei Anbieter einen eigenen Modus. Bei ChatGPT heißt er temporärer Chat. So ein Gespräch erscheint nicht im Verlauf und wird nicht für das Training verwendet, OpenAI bewahrt es nach eigenen Angaben aber aus Sicherheitsgründen noch 30 Tage auf. Claude bietet Inkognito-Chats an, die Anthropic nicht zur Verbesserung von Claude nutzt, auch wenn Sie dem Training sonst zugestimmt haben. Auch Gemini hat temporäre Chats. Google verwendet sie nicht für das Training und speichert sie 72 Stunden im Konto.
Mit dem Firmenkonto
gelten andere Regeln.
Stellt Ihr Arbeitgeber ein Firmenkonto bereit, sieht die Lage anders aus. Alle drei Anbieter verwenden Eingaben aus ihren Geschäftstarifen nach eigenen Angaben standardmäßig nicht für das Training.
Anthropic schreibt das für Claude for Work, zu dem die Tarife Team und Enterprise gehören, und für seine Programmierschnittstelle. Auch hier gibt es die Ausnahme über den Daumen: Schicken Sie Feedback, kann Anthropic das Gespräch für das Training verwenden. Die Inhaber eines Team- oder Enterprise-Kontos können diese Bewertungsfunktion für die ganze Organisation abschalten. Gelöschte Chats verschwinden wie bei privaten Konten innerhalb von 30 Tagen aus den Speichersystemen.
Bei ChatGPT Business, Enterprise und Edu verwendet OpenAI Eingaben und Antworten nach eigenen Angaben standardmäßig nicht für das Training seiner Modelle.
Bei Gemini kommt es darauf an, mit welchem Konto Sie angemeldet sind. Mit einem Arbeitskonto aus einer passenden Google-Workspace-Version werden Ihre Chats und hochgeladenen Dateien in der Gemini-App laut Google ohne Ihre Erlaubnis weder von Prüfern gelesen noch für das Training generativer KI-Modelle verwendet. Wann die Gespräche automatisch gelöscht werden, legen die Administratoren fest, etwa nach 3, 18 oder 36 Monaten. Voreingestellt sind 18 Monate.
Diese Regeln gelten nur, wenn Sie mit dem Firmenkonto arbeiten. Anthropics Änderung von 2025 betrifft ausdrücklich die privaten Tarife. Wer mit einem privaten Pro-Konto dienstliche Texte schreibt, arbeitet nach den Regeln des privaten Kontos. Welcher Tarif in Ihrem Unternehmen gilt, kann Ihnen die IT-Abteilung sagen.
Was nicht in
den Chat gehört.
Die Schalter regeln, was der Anbieter mit Ihren Eingaben macht. Dass die Eingaben bei ihm ankommen und dort eine Weile liegen, ändern sie nicht.
Das BSI, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, rät deshalb, keine sensiblen Informationen wie Konto- oder Gesundheitsdaten in KI-Tools einzugeben, solange Sie nicht wissen, wie sie verarbeitet werden. Viele Anwendungen speichern oder analysieren Eingaben, um ihre Modelle zu verbessern. Die Verbraucherzentralen empfehlen „grundsätzlich, keine persönlichen und sensiblen Daten in ChatGPT oder andere KI-Tools einzugeben“. Google bittet in seinen Hinweisen zu Gemini selbst darum, keine vertraulichen Informationen einzugeben, die ein Prüfer nicht sehen soll.
Kundendaten
Namen und Adressen Ihrer Kunden sind persönliche Daten anderer Menschen. Soll das Modell einen Kundenbrief überarbeiten, ersetzen Sie die Namen durch Platzhalter wie „Kunde A“ und setzen die echten Namen erst im fertigen Text wieder ein.
Gesundheitsdaten
Das BSI nennt sie in seinem Rat ausdrücklich, zusammen mit Kontodaten. Eine Frage zu einem Befund lässt sich auch ohne Namen und Geburtsdatum stellen.
Passwörter und Zugangsdaten
Für einen Text braucht das Modell kein Passwort. Google schreibt in den Hinweisen zur Bildschirmsteuerung von Gemini: „Geben Sie keine Anmelde- oder Zahlungsinformationen in Ihre Chats mit Gemini ein.“
Betriebsgeheimnisse
Bei unveröffentlichten Produktideen, Geschäftszahlen oder Quellcode hilft es wenig, Namen zu entfernen. Hier ist der Inhalt selbst das Vertrauliche.
Braucht eine Aufgabe solche Daten, fragen Sie vorher Ihre IT-Abteilung oder die Datenschutzstelle Ihres Unternehmens, welches Werkzeug dafür vorgesehen ist. Wenn Sie das Training abschalten wollen, tun Sie es, bevor Sie etwas Vertrauliches eingeben, denn der Schalter wirkt nicht rückwirkend.
Bei privaten Konten von Claude, ChatGPT und Gemini entscheidet ein Schalter in den Einstellungen, ob Ihre Chats in das Training einfließen, und er wirkt nur für künftige Gespräche. Gespeichert wird trotzdem, je nach Anbieter und Einstellung 72 Stunden bis mehrere Jahre. Firmenkonten nutzen Eingaben nach Angaben der Anbieter standardmäßig nicht für das Training. Kundendaten, Gesundheitsdaten, Passwörter und Betriebsgeheimnisse lassen Sie draußen, auch wenn alle Schalter richtig stehen.
Quellen & Hintergründe
- Updates to Consumer Terms and Privacy Policy
- How do I change my model improvement privacy settings?
- How long do you store my data?
- Is my data used for model training? (Consumers)
- Is my data used for model training? (Commercial Customers)
- How long do you store my organization’s data?
- Gemini-Apps: Privacy Hub (Datenschutzhinweise für Gemini-Apps)
- Generative AI in Google Workspace Privacy Hub
- Newsletter Einfach Cybersicher vom 04.02.2026
- KI-Chatbots im Überblick: Was Sie über ChatGPT, Gemini & Copilot wissen sollten
- OpenAI: Menschen sollen echte ChatGPT-Gespräche für das Training prüfen
- OpenAI paid contractors to read ChatGPT conversations, here's how to protect yourself
Workshops 